Hallo Tuxe , im Folgenden kurz das Wichtigste zu unserem Lugravtreffen am 4. 5. um 19 Uhr bei Gerhard . Schon vorab möchte ich die Fachleute auf dem Gebiet des Musikmachens mit dem Rechner um Verständnis bitten, wenn Einzelheiten nicht so wiedergegeben werden wie von einem Experten... 1)Treffpunkt waren die Räume bei Gerhard, über deren Nutzung durch die Lugrav wir vor einigen Monaten diskutiert hatten. Die Räumlichkeiten haben sich "gemausert" : angestrichen, mit Rechner, Plattenspieler, Boxen, neuem großem Tisch und projektionsgeeigneter Wand laden sie ein zu kleineren Workshops. Gerhard ist es auch gelungen, unseren "Selbstbaubeamer" dazu zu bringen, die Ränder zu verkleinern und somit einen größeren Teil des Bildschirms zu projizieren. Dies gelang durch Annäherung der Linse an die Glasplatte. Der Luftfluss zur Kühlung musste dazu etwas anders geführt werden, zu Überhitzungsproblemen ist es bisher aber nicht gekommen. Der Schalter ist jetzt zwar nicht mehr erreichbar, man muss das Gerät jetzt über den Stecker ein-und ausschalten. Schrift und Farben waren gut zu erkennen, die Helligkeitsunterschiede in der Projektionsfläche tolerabel gering. Sicher ein gutes Ergebnis! 2)Im Folgenden stellte Gerhard verschiedene Programme zum Musikmachen unter Linux vor. Er verwendet, wie in einem früheren Vortrag von ihm bereits einmal gezeigt, Rosegarden als MIDI-Sequencer und zusätzlich als Noteneditor. Dabei ist sowohl eine Darstellung als Note wie als Matrix möglich. Als Soundserver wird Jack eingesetzt. Letztendlich werden Signale von der Soundkarte an weiterverarbeitende Programme geschickt und dabei in einem Puffer zwischengespeichert. Dabei muss ein passendes Verhältnis zwischen der Datenflussrate und der Puffergröße gefunden werden, die sich letztendlich in der Latenz widerspiegelt. Bei kleinerem Puffer ist auch die Latenzzeit kleiner. Über den Puffer erfolgt schließlich wieder der Rückfluss an die Soundkarte als Wiedergabemedium. Gerhard wies darauf hin, dass jack konzeptionell wahrscheinlich bald arts ablösen wird. Ein weiteres Werkzeug, das Gerhard gerne einsetzt, ist als "Schlagzeugmaschine" hydrogen. Das Programm besitzt einen eigenen Synthesizer sowie eine auf Qt basierende graphische Oberfläche. Mit ihr lässt sich ein "Drumkit" auswählen, mit dem dann unterschiedliche Klangeffekte erzeugt werden können. Die generierten Sequenzen sind als Midifile exportierbar und können auch auf der Festplatte gespeichert werden. In Grenzen ist auch die Anschlagsdynamik änderbar. Dabei wurde auf kleine Schlagzeuge hingewiesen, aus deren Einzelelementen jeweils einzelne Spuren aufgezeichnet und mit dem vi(!!) editiert werden können. ALSA kann bei der Arbeit mit jack verbunden werden, graphisch lassen sich anschaulich Kanalverbindungen zwischen Ein-und Ausgabegeräten herstellen und so verschiedene Soundeffekte durch Lösen und Umleitungen von Verbindungen erzielen. So entwickelt sich über Kopplungen eine Eigendynamik. Ein weiteres Tool, das zum Einsatz kommen kann, ist Ardour. Dabei handelt es sich um eine Audio-Workstation, mit der Audiosequenzen bearbeitet, verändert und auch auf Festplatte aufgezeichnet werden können. Gerhard setzt es im Zusammenspiel mit jamin ein, einem Audio Mastering Tool, mit dem Masters wohl auch aus Quellen mit mehreren Spuren generiert werden können. Jamin besitzt einen "30band Equaliser" , mit dem Tool können auch Spektren analysiert werden. Es lassen sich Frequenzbänder zeichnen und bestimmte Frequenzspitzen abschneiden. Kurt , den wir nach langer Pause wieder einmal bei uns begrüßen konnten, wies darauf hin, dass im Rundfunk die digitale Nachbearbeitung von Tönen zur Manipulation der Widergabedynamik durchaus nicht unüblich sei mit dem Ziel, bestimmte Radiostationen akustisch als vermeintlich "gut erreichbar" darzustellen. Gerhard stellte weiter Solfege vor, ein graphisches Werkzeug , mit dem es möglich ist, sein Gehör zu trainieren. Vorgestellt wurden mehrere Intervalle, die von den "Musikprofis" richtig bestimmt werden konnten. Die harmonischen oder melodischen Intervalle oder Rhythmen können entsprechend ausgewählt werden. Faszinierend sind auch die Möglichkeit von audacity, einem Tonspureditor, mit dem es möglich ist, Tonspuren sichtbar zu machen, mit anderer Geschwindigkeit abzuspielen und mit fast unbeschränkten Möglichkeiten zu editieren. Gerhard steuerte die Soundkarte seines Rechners über einen Verstärker mit seinem Plattenspieler an und stellte so die visualisierte Tonspur eines Liedes des brasilianischen Liedermachers( und heutigen Kulturministers des Landes ) Gilberto Gil dar. Durch die Möglichkeiten von Audacity kann die Spur bis auf die Einzelsampleebene vergrößert und bearbeitet werden. So ist es natürlich letztendlich möglich, "Knackser" in einer alten Schallplatte durch Nachbearbeitung am Rechner zu beseitigen. Auch kann man Frequenzgänge bearbeiten oder in einer Aufzeichnung Schriftzüge einfügen, um so beispielsweise unter einer Tonspur einen Liednamen oder Ähnliches festzuhalten. Spuranteile können markiert und so für eine weitere Bearbeitung hervorgehoben werden. Bei der Zusammenarbeit von jack und audacity kommt es nach Gerhards Angaben immer wieder zu Problemen. 3)Unter dem Eindruck der großen Möglichkeiten der freien Tools unter Linux stellt sich die Frage nach der geeigneten Soundkarte. Gerhard arbeitet mit Soundblaster Live , die Auswahl geht heute bis zu Soundkarten, die einen Onboard-Digitalisierer besitzen und damit die CPU bei der Umwandlung hereinkommender Töne vollkommen entlasten . Solche Karten liegen in einem Preisbereich von 400 Euro. Kurt wies darauf hin, dass natürlich die Lautsprecher ein weiteres Nadelöhr sind und hier der Preis nachdrücklich durch die untere Grenze des darstellbaren Frequenzbereiches bestimmt werde. So könne man sagen, dass bei niedrigen Frequenzen eine Reduktion des Spektrums um 5 Hz nach unten eine Preissteigerung um etwa 200 Euro bedeute. Aus dem Kreis wurde darauf hingewiesen, dass die technischen Möglichkeiten, elektronisch Geräusche exakt zu fokussieren, bereits weit fortgeschritten sind. So sei es heute möglich, in einem großen internationalen Auditorium eine individualisierte, "punktgenaue" Beschallung etwa für Zwecke der Simultanübersetzung anzubieten oder auch Personen individuell schallmäßig zu verfolgen. Leider kann man Schallfokussierungen im Infraschallbereich auch zur Folter von Menschen einsetzen, indem man - eben nicht hörbar - in die Nähe der Resonanzfreqeunzen innerer Organe geht. Gerhard wies ferner auf LilyPond hin, mit dem es möglich ist , Musiknoten zu setzen. Das Programm lässt sich hervorragend in LaTeX integrieren . Kurt machte darauf aufmerksam , dass es bei Noten immer auch Rechteprobleme zu beachten gibt und dass es in jüngster Vergangenheit ( erfolgreiche ) Bemühungen der österreichischen Fraktion von Creative Commons gegeben habe, Mozartnoten freier verfügbar zu machen. Abschließend wies Gerhard noch darauf hin, dass manches Audioprogramm nur mit root-Rechten zu bedienen sei. Er selbst arbeitet mit der Debian Musik Distribution Demudi, die auch als Live-CD verfügbar sein. In vielen Jahren hat er vorher u. a. auf dem Mac Erfahrungen mit Musikprogrammierung gemacht und beschäftigt sich seit etwa 2 Jahren jetzt mit den Möglichkeiten, die unter Linux in diesem Bereich bestehen. Wir können alle Gerhard für diesen hervorragenden Vortrag und Einblick in die Soundbearbeitungsmöglichkeiten von Linux nur danken! Ferner danke für seine "Nacharbeiten" am Selbstbaubeamer, der diesen Vortrag hervorragend mitgemacht hat! Abschließend einigten sich alle schnell darauf , dass wir uns in 14 Tagen, wenn eben möglich, wieder in der Schule am Möllerstift treffen wollen. Ich hoffe, ich habe nichts Wesentliches übersehen, und bitte wie immer um ( höchstwahrscheinlich notwendige ) Korrekturen und Kommentare. Macht's gut, bis bald Ulrich
Teilnehmer (2)
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Gerhard Genuit
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Ulrich Rieke