Hallo Tuxe, hier zusammengefasst einige der wesentlichen Punkte des Treffens der Lugrav vom 10.2. : 1)Treffpunkt war diesmal die Alte Schule Am Möllerstift 22 in Brackwede; beim letzten Treffen war es ürsprünglich Absicht gewesen, die Örtlichkeiten hier , in Sonderheit die Aula , einmal zu sehen, um einen Eindruck davon zu bekommen, ob es sich hier um einen geeigneten Ort für eine Veranstaltung mit paddeluun handeln könnte. Da wieder neue Gäste da waren, stellten sich die insgesamt 16 Teilnehmer, der alten Tradition der Lugrav folgend, jeweils kurz vor. 2)Dann begann Frank Matthieß mit dem thematischen Schwerpunkt des Abends, der Vorstellung des Breitband-DSL-Routers Linksys WRT54G. Dieses handliche Gerät gibt es in 2 Varianten, einer G und einer GS-Ausführung , die sich in ihrer Reichweite unterscheiden. Der Linksys kommt mit einer Hardwareausstattung aus einem mit 200 MHz getakteten MIPS-Prozessor, einem 32 MB RAM , einem 8 MB Flash sowie einem 5-Port-Switch. Ferner besitzt das Gerät einen WLAN-Adapter und 2 serielle Ports. Was die Arbeit mit dieser Hardware so erleichtert, ist ihre gute Dokumentation. Diese bezieht sich zum Einen auf den zentralen Broadcom-BCM-4712-System-on-a-Chip, zum Anderen auf den Infineon-ADM-699L-Netzwerkswitch. Das Gerät ist in der G-Version einschließlich Versand schon ab ca. 66 Euro zu haben, in der GS-Version ab ca. 90 Euro. Zentral auf dem Board des Routers befindet sich der BCM-4712 mit Verbindung zum Flashmemory und zu einem Ethernetswitch ADM699L von Infineon mit einem Internet- und 4 weiteren Ports , ferner befindet sich auf der Platine ein USB-1.1-Host-Device. Die Software zu diesen Bauteilen wurde vom Hersteller Linksys zunächst nicht unter GPL gestellt, Router- und Firmwareupdates wurden zunächst als Binärdateien veröffentlicht. Später gab der Hersteller dann einen ( in praxi anfangs wenig brauchbaren ) Sourcetree heraus und veröffentlichte schließlich die kompletten Sources als tgz. file. Damit war natürlich der Weg frei für Weiterentwicklungen, neben dem Linksys-Source wurde von einem Freifunker in Berlin OpenWRT entwickelt, als weiteres Projekt entstand Sveasoft, deren aktuelle Software derzeit für 20 Euro pro Jahr ( nur fraglich GPL-konform ) zu haben ist. Letzteres Projekt hat einen PPTP-Client entwickelt, Einzelheiten kann man sich im Netz unter der URL www.sveasoft.com ansehen. Auch die insbesondere auch Freifunker zielenden Entwicklungen unter OpenWRT sind im Netz repräsentiert, man findet sie unter www.openwrt.org. Die Software für das Linksysgerät bietet nun einiges für den Linuxfan Vertrautes: der Linuxkernel wird übernommen, die Software ist paketbasiert organisiert, Programme können im System selbst nachgerüstet werden. Dabei findet man im Flashmemory beschreibbare Partitionen vor. Der Netzwerkadministrator findet ihm sonst aus der Linuxwelt vertraute Tools vor, die es ihm beispielsweise gestatten, sich, aber auch räumlich in der Nähe liegenden Nachbarn einen Internetzugang zu verschaffen und zu sichern. So gibt es OpenSSH, ein Tool wie screen ist ebenfalls vorhanden, es ist möglich, für Abrechnungszwecke etwa "traffic control" ( tc ) einzusetzen. Auch das Tool tcpdump sucht man nicht vergebens. Bei der Softwareinstallation dient eine Datei /etc/ipkg.cfg als zentrale Konfigurationsdatei, Pakete können, durchaus vertraut, mit ipkg <Paketname> eingespielt werden. Die Firmware enthält auch eine Weboberfläche . Vorstellbar wäre, aufgrund der Hardwareausstattung allerdings nur in begrenztem Funktionsumfang, eine Gatewayfunktion für Telefongespräche. Thomas Niesel wies darauf hin , dass man sich auch Asterisk auf dem WRT54G vorstellen könne. Das Gerät unterstützt auch Firewallfunktionen, so dass man etwa ein eigenes privates Netz über ein Tool wie iptables absichern könnte. Wer basteln kann und mag, kann auch selbst Hardwareerweiterungen vornehmen, so lassen sich etwa, beschrieben unter www.rwhitby.net/wrt54gs , auch neue serielle Ports schaffen. Der erste , firmenseitig verwendete serielle Port kann nur als Systemkonsole verwendet werden, der 2., an diesem Gerät zur Verfügung stehende Port könnte etwa für Verwendungen wie Sensorik, Modem, Steuerungen und dergleichen verwendet werden. Der Einsatz des Linksys als Firewall bietet u. U. deshalb Vorteile, da das Gerät auf einer Prozessorbasis agiert, auf die viele Netzangriffe nicht eingestellt sind ( MIPS-Basis ) . Software kann auf den Linksys mittels tftp überspielt werden, genaue Beschreibungen hierzu finden sich bei wrt.org. Die Sendeleistung des Linksys ist, bedingt durch die geltenden gesetzlichen Bestimmungen, auf 100 mW beschränkt. Es handelt sich um Mikrowellen, damit ist auch definiert, dass für Funkverbindungen Sichtkontakt entscheidend ist und auch Dinge wie Nässe eine Rolle spielen können. Letzlich hänge die zum Einsatz kommende Sendeleistung, so Frank, von den Einstellungen der Firmware ab. Auf in etwa ähnliche Produkte am Markt mit etwas weitergehenden Möglichkeiten im Bereich Telefonie und ISDN verwies Thomas, als er die Fritz-Box als ein Gerät ins Gespräch brachte, das wohl auch auf einer Broadcombasis laufe. Bei Linksys gab es zu Anfang Sicherheitsprobleme, hier hat es im Verlaufe der Zeit deutliche Nachbesserungen gegeben. Die Begrenzung der Prozessorleistung stellt einen unausweichlichen Flaschenhals etwa bei der Möglichkeit dar, Datenströme zu verschlüsseln. Neue Netzteilnehmer können über 802.1x als neue Sicherheitstechnik über einen Radiusserver authentifiziert werden. Frank wies darauf hin, dass die Linksys-Geräte eine nur geringe Leistungsaufnahme von 12 W haben und bei uns oft in büroähnlichen Umgebungen zum Einsatz kommen. Gleichwohl gibt es durchaus Einsatzbereiche, in denen etwa DSL-Router auch im Freien zum Einsatz kommen. So habe man etwa in Dänemark in einem dünn besiedelten Gebiet ohne ausreichende Festnetzanbindung Router auf Masten montiert und so ein durchaus gut funktionierendes Netz und eine Anbindung für die dort lebenden Menschen geschaffen. Dabei habe es sich herausgestellt, dass die Geräte vor allem kälte- und nicht so sehr hitzeempfindlich seien. Wer Geräte wie Linksys im "Funkverbund" mit Nachbarn einsetzt, macht u. U. die Feststellung, dass die eigentlich maximal erreichbare Datenabgaberate von etwas über 50 MBit/s dann nicht erreicht werden, wenn in der Nachbarschaft nur niedrigere Bandbreiten unterstützt werden; dann müsse man mit Herunterregulierung der Datendurchflussrate an den Schnittstellen des Linksys rechnen. Ganz herzlichen Dank an Frank für diesen interessanten Vortrag über ein doch preisgünstiges, aber hoch leistungsfähiges Netzgerät! 2)Als besonderes Schmankerl wurde, verfasst von wohl vorwiegend tschechischen Autoren, eine ASCII-Animationssequenz mit Filmcharakter gezeigt, die in, wie ich finde, verblüffender und faszinierender Form deutlich macht, wie man mit einem durchaus begrenzten Zeicheninventar filmisch wirkende Eindrücke erzielen kann ( von Frank unter Knoppix mit bb aufgerufen ... ) . 3)Volker Eckert hatte einen Film , konkret einen RTL-Bericht zur Linuxworld in Frankfurt mitgebracht, in dem über die ständige weitere Verbreitung von Linux berichtet wurde. Konkret wurde angesprochen, dass etwa die Stadt Dortmund ein virtuelles Rathaus unter Linux realisiert hat und so "e-government" praktiziert. Auch können dort Schulen auf zentrale Server zugreifen, die ihnen ein Arbeiten ermöglichen, als stünden die Rechner im Schulgebäude. Berichtet wurde auch darüber, dass die Deutsche Bahn ihr Mailsystem auf Linux umstelle. Von Besuchern der LUG Rheda-Wiedenbrück, so berichtete Frank weiter, sei auch nach zertifizierten Linuxsystemen gefragt worden. Hintergrund sei, dass es sich dabei um Mitarbeiter der Bahn handele, die sich für Alternativen zu den derzeitigen Bremskontrollsystemen etwa der ICE unter einem anderen Betriebssystem interessierten. Aus dem eigenen Verwandtenkreis konnte Jürgen Leibner über den Transrapidexport nach China berichten, dass alle dort gewissermaßen in der Landschaft zur Unterstützung des Transportsystems installierten Rechner unter UNIX liefen. So seien Servernetze im Lande installierten, die Züge würden umfangreiche, viele GB umfassende Logfiles produzieren, die eine z. T. metergenaue Lokalisierung von Betriebsunregelmäßigkeiten gestatteten. Die fahrende Software in den Zügen selbst basiere aber letztendlich noch auf Windows oder auch Siemenseigenentwicklungen. An dieses konkrete Beispiel sich anschließend entspann sich eine Diskussion über die Echtzeitfähigkeiten eines Betriebssystems. Frank wies darauf hin, dass der Linuxkernel selbst derzeit nicht echtzeitfähig sei. Diese Möglichkeiten solle es aber unter bestimmten Voraussetzungen unter Windows geben. Diskutiert wurde darüber, ob die exklusive Inanspruchnahme von Prozessor-Timeslices durch einen Prozess schon hinreiche, um Echtzeitfähigkeit zu definieren. Letzendlich, so Frank , komme es darauf an, in bestimmten Zeitvorgaben reagieren zu können. Dies sei auch im Heimbereich manchmal durchaus wünschenswert, etwa bei Musikanwendungen, wie Gerhard Genuit unterstrich. 4)Gegen Ende des Abends wurde noch kurz die Fragerunde eröffnet. Peter Voigt hatte ein Sendmail-Problem unter OpenBSD gepostet, aber selbst in den BSD-Listen wohl keine befriedigende Antwort gefunden, so dass das Problem auch während des Treffens nicht mehr en detail besprochen wurde. Nach Installation seines neuen Sarge beobachtet Gerhard ein anhaltendes Pfeifen seiner Soundkarte , die er ansonsten durchaus einsetzen kann, beim Booten. Er verwendet den Kernel 2.6.x und hat alsaconf installiert. Antwort aus der Runde war, dass es eigentlich in den init-scripts ein kleines ALSA-Script geben müsse, dass die Soundkarte während des Bootprozesses leise oder stumm schalte. Es solle aber im Prinzip Probleme beim Via-chipsatz und bei Soundblaster-Karten geben. Thomas fragte für einen Bekannten, der bei T-Online als Provider sei, warum als Mail verschickte HTML-Formulare zerstückelt und unvollständig verschickt würden. Die Inanspruchnahme von CGI-Skripten bei T-Online sei kostenpflichtig. Die Frage wurde in großer Runde nicht ausdiskutiert, aber eine mögliche Ursache des Problems könnte darin stecken, dass der Submit-Button des HTML-Formulars lediglich mit einer Mailto-Action verknüpft ist. Im Zusammenhang mit der Diskussion über die Fähigkeiten des Kernels berichtete Frank darüber, dass ein GNU-Hurd-Entwickler namens Brinkmann Anteile des L4-Kernels in den Machkernel übernommen habe mit dem Ergebnis einer erheblichen Geschwindigkeitssteigerung. Zum Schluss noch 3 URL's, bei denen man noch Weiteres zum Hauptthema des Abends nachlesen kann: Broadcom BCM4712-on-a-Chip: www.franken.de/de/veranstaltungen/kongress/2004/04-3-4-linksys-wrt54g.pdf Netzwerkswitch von Infineon: www.broadcom.com/collateral/94712-PB02-R.pdf sowie unter www.broadcom.com/products.php?product_idBCM47-12 Das Thema an diesem Abend war schon speziell, dennoch hoffe ich, dass im Protokolltext wenigstens die Quintessenz einigermaßen herübergekommen ist. Ich bitte um Korrektur bzw. Kommentar zu etwaigen Fehlern und Unkorrektheiten, so können wir gemeinsam lernen. Soweit für heute, viele Grüße, bis bald! Ulrich Rieke
Teilnehmer (6)
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Frank Matthieß
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HHullen_BS@t-online.de
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Martin Bähr
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Ralf Gesel|ensetter
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thomas_n@freenet.de
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Ulrich Rieke