Protokoll Treffen v. 12.8.
Hallo Tuxe, im Folgenden kurz das Wichtigste vom Treffen der Lugrav am 12.8., diesmal in der alten Dorfschule in Brockhagen ab 19 Uhr. Wieder konnten einige neue Besucher begrüßt werden. Nach der üblichen Vorstellungsrunde wurde zunächst kurz über Ort und Zeit des nächsten Treffens gesprochen. Jorge bot an , sich im Jugendzentrum Borgholzhausen (Kleekamp) zu treffen, da dies donnerstags abends ohnehin geschlossen, d. h. nicht anderweitig genutzt ist. Außerdem steht dort ein DSL-Netzzugang sowie ein Netzwerk zur Verfügung. Einzelheiten sollen auf der Liste dann noch verbreitet werden. Im Nachgang zum letzten Treffen wurde darauf hingewiesen, dass es Probleme geben könne, wenn das Mailingarchiv der Liste, wie geschehen, nachträglich geöffnet wird, um die darin enthaltenen Beiträge allgemein verfügbar zu machen. So könne im Prinzip bei entsprechendem Interesse ein Arbeitgeber feststellen, dass sich sein Angestellter zur Arbeitszeit auf der Mailingliste aufgehalten habe. Um diesem Einwand Rechnung zu tragen, sei die Liste vorübergehend wieder geschlossen worden. Einen Schutz vor solch unliebsamer potenzieller Ausspähung könne man etwa dadurch erreichen, dass Absendezeiten anonymisiert werden. Volker Güth will in den nächsten Tagen auf der Liste einmal fragen, welche Vorschläge es hier gibt und ob überhaupt Einwände gegen eine Veröffentlichung des Mailarchivs bestehen. Als mögliches Thema für das nächste Treffen wurde von Volker Eckert "Sicheres WLAN" vorgeschlagen, er kennt einen Referenten, der in Kürze aus Bielefeld nach Süddeutschland fortziehen und deshalb nor noch kurzfristig zur Verfügung stehen wird. Dann ging es zum Hauptthema des Abends, einer gemeinsamen Vorstellung von BSD durch Peter Voigt und Jorge dos Santos. Zunächst begann Peter mit einer Einführung und der Darstellung von OpenBSD. Die Kombination BSD steht für Berkeley Software Distribution. Die Ursprünge der Entwicklung gehen in die 70-er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück, Bewährtes wurde übernommen, so dass eine hinlängliche Stabilität besteht. Man unterscheidet heute verschiedene BSD-Linien, nämlich FreeBSD, NetBSD, OpenBSD, BSDi, MacOS X , Darwin und Dragonfly. Als ein junger Zweig hat sich OpenBSD Mitte der 90-er Jahre von NetBSD abgespalten. Es gibt auch Entwicklungen, dass sich die beiden Unixclones Linux und BSD aufeinander zu bewegen, etwa in Form des Debian GNU/FreeBSD-Projekts . In Kernel, Entwicklungsmodell und Lizenz unterscheiden sich BSD und Linux voneinander: Die BSD-Lizenz lässt es zu, lediglich Binaries ohne Sourcecode herauszugeben, was bei Linux nicht möglich ist. Damit können auch Firmen, die ihren Sourcecode nicht veröffentlicht sehen wollen, mit BSD-Entwicklungen arbeiten, wie dies etwa Microsoft bei Hotmail getan haben soll. Im Unterschied zu Linux wird nicht nur ein Kern, sondern auch die Systemarchitektur "herum", wie etwa Systembibliotheken, Benutzer- und Administrationsprogramme als "Betriebssystem" verstanden. Das gesamte Betriebssystem kann bei BSD mit wenigen Kommandos neu gebaut und auf der Zielmaschine aus den Sourcen neu kompiliert werden. Die Trennung zwischen Betriebssystemkern und Anwendungsprogrammen, wie Linux sie kennt, existiert so bei BSD nicht. Darüber hinaus gibt es bei BSD auch ein CVS-Repository. Die Softwareentwicklung ist straff koordiniert und liegt in der Hand eines Coreteams. Es gibt Entwickler, die u.a. für die Treiber und Dokumentation zuständig sind. BSD hat reichlich Software sowie für alle Derivate ein stabiles Filesystem ( UFS ). Ebenfalls für BSD gemeinsam charakteristisch ist ein sogenanntes Ports-Packages-System, das es zulässt, mit einfachen make-Kommandos sowohl das eigene System zu analysieren, d. h. nach fehlenden Sourcen zu suchen, diese dann ggf. aus dem Netz nachzuladen und vor Ort zu compilieren. Peter ging dann auf die Hardwarevoraussetzungen ein. Für ein anständiges Arbeiten mit OpenBSD benötige man schon 16 MB Arbeitsspeicher, 1GB Platte und einen 3/86-Prozessor. Empfohlen sei hingegen ein Arbeitsspeicher mit 64 MB und eine Platte mit 10GB in einem Rechner mit 5/86-Prozessor. Eine brauchbare Firewall könne man mit 64 MB Arbeitsspeicher und 2GB auf Platte realisieren. Im Weiteren ging Peter dann auf das Partitionierungskonzept bei OpenBSD ein. Man könne auf der Platte, wie bekannt, 4 physikalische Partitionen schaffen, die bei OpenBSD Disklabels heißen. Eine dieser 4 Disklabel, nämlich die letzte ( also Nr. 3 bei Zählbeginn 0 ) nehme OpenBSD auf. Es ist praktisch unmöglich, auf einer weiteren Disklabel derselben Platte ein weiteres OpenBSD unterzubringen, im Gegensatz etwa zu verschiedenen Linux-"Distributionen" auf verschiedenen Partitionen. Unter der Ebene der 4 Disklabels nimmt OpenBSD auf seinem Label eine weitere Partitionierung vor. Wichtig sind dabei eigene Unterpartitionen für /, swap und für eine "fiktive" Unterpartition, die an ihrem Anfang auf den Beginn des für OpenBSD reservierten Disklabels und an ihrem Ende auf das entsprechende Ende verweist. Diese Unterpartition ist für sicheres Arbeiten mit dem System, insbesondere für Backups und andere Sicherungsaufgaben von erheblicher Bedeutung. Die Unterpartitionen können etwa so aussehen: wd0a für / wd0b für swap wd0c für die "fiktive" Unterpartition dann können weitere Unterpartitionen angelegt werden: wd0d fpr /temp wd0e für /usr wd0f für /home wd0g für /var wd0h für /linux wd0i für /windows, um nur einmal ein Beispiel zu nennen. Unter OpenBSD wird empfohlen, für Unterverzeichnisse eigene Unterpartitionen zu schaffen, so dass die oben aufgeführte Liste rasch zu klein und die Zahl der Unterpartitionen zu knapp werden kann. Peter zeigte dann eine Testinstallation, die mit Meldungen beginnt, die man von Linux z. T. auch kennt. Bemerkenswert sind die PID-Nummern bei OpenBSD, die zufällig ausgewählt sind, so dass sie einem Einbrecher in das System keine Rückschlüsse auf Software und Umgang des Benutzers mit ihr gestattet. Runlevels kennt OpenBSD nicht, Konfigurationsinformationen stehen in rcd.conf. Nach Angabe der üblichen Dinge wie Login, Passwort, aus Demonstrationsgründen Weglassen einer Netzwerkkonfiguration, Nodegröße usw. kam dann nach erstaunlich kurzer Zeit bereits die erste Aufforderung zum Login. In einer ersten Mail wird auf die erfolgte Installation hingewiesen. Im Gegensatz zu Linuxdistributionen ist in diesem Stadium aber noch kein User angelegt, vielmehr wird in OpenBSD dazu geraten, die manpage von afterboot zu lesen , um sich damit auseinanderzusetzen, was man in diesem Stadium der Systeminstallation jetzt tun solle. Peter wies darauf hin, dass die Installation von OpenBSD nicht zuletzt deshalb so rasch verlaufe, weil relativ wenig geschehe und vieles später nachinstalliert werden müsse. Manpages seien bei BSD sehr wichtig, die Entwickler sähen Fehler dort als so schwerwiegend wie Fehler im Quellcode an. An Literatur wies Peter auf ein englischsprachiges Buch zu OpenBSD hin, ein Free-BSD-Handbuch sei im Intenet zu bekommen. Zur Sicherheitspolitik bei OpenBSD wies Peter auf den ständigen Codeaudit hin, so gebe es beim Apache etwa 3000 Patches demzufolge. Trete ein Sicherheitsproblem auf, so werde frühzeitig darüber berichtet, auch sei man bereit zuzugeben, wenn man einen Fehler nicht beheben könne. Es gebe Security-Level -1 bis 2, außerdem könne man bei OpenBSD eine systrace-policy festlegen, mit der man ganze Applikationen daran hindern könne, bestimmte Dateien zu lesen oder in bestimmte Bereiche zu schreiben. Im Vergleich zu anderen Betriebssystemen brauche OpenBSD sicher eine lange Einarbeitungszeit, so sei etwa der Zeitaufwand für die Netzwerkadministration unter OpenBSD zunächst groß, durch die Sicherheitsfeatures im laufenden Betrieb aber klein und eher kleiner als bei anderen OS. Im Bereich der Firewall könne es der packet filter ( pf ) von OpenBSD durchaus, nach entsprechender Einarbeitung, mit teuren kommerziellen Lösungen aufnehmen. Danach übernahm Jorge und stellte FreeBSD vor, das mehr den Desktop als den Server als Zielplattform im Auge hat und insbesondere im Sicherheitsbereich weniger strikt als OpenBSD sei. Die Hardwarebasis sei auch breiter als bei OpenBSD, wohingegen diese sicher ohnen Zweifel bei NetBSD am breitesten ist; hier werde eine große Zahl von Architekturen unterstützt. Besonders attraktiv sei die Nachinstallation von Paketen mit make install, die über das Netz noch nicht vorhandene Sourcen lade. Jorge wies darauf hin, dass man rechtlich mit der Verwendung von BSD aller Voraussicht nach auf der sicheren Seite sei, während über dem Linuxkernel die Klage von SCO als Drohung schwebe. Leider reichte die Zeit nicht mehr, Jorges ganzen Vortrag anzuhören. Er schlug vor, das beim nächsten Mal fortzusetzen oder ggf. Einzelheiten, auch eine Installation, in Form eines Workshops durchzuführen. Vielen Dank an Peter und Jorge für ihre Vorträge mit einem "Blick über den Zaun", nicht zuletzt für ihre schriftliche Zusammenstellung der wichtigsten Informationen in ausführlichen Faltblättern, denen man die wichtigsten OS-Prinzipien sowie auch Linklisten entnehmen kann. Zum Schluss wurde noch einmal auf das Treffen in 14 Tagen in Borgholzhausen hingewiesen. Ich hoffe, ich habe nichts Wichtiges vergessen, und bitte ggf. um Ergänzungen und Kommentare. Macht's gut, bis bald! Ulrich
Teilnehmer (13)
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Carola Kummert
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Cord Beermann
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Frank Matthieß
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Frank.Recker@t-online.de
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Ingo Lütkebohle
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Jan-Benedict Glaw
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Martin Bähr
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Maximilian Wilhelm
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Peter Voigt
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Peter Voigt
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Ralf Gesel|ensetter
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Sebastian Inacker
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Ulrich Rieke