Protokoll 10.2.
Ulrich Rieke
ulrich.rieke at onlinehome.de
Fr Feb 11 02:03:37 CET 2005
Hallo Tuxe,
hier zusammengefasst einige der wesentlichen Punkte des Treffens der
Lugrav vom 10.2. :
1)Treffpunkt war diesmal die Alte Schule Am M�llerstift 22 in
Brackwede; beim letzten Treffen war es �rspr�nglich Absicht gewesen,
die �rtlichkeiten hier , in Sonderheit die Aula , einmal zu sehen, um
einen Eindruck davon zu bekommen, ob es sich hier um einen geeigneten
Ort f�r eine Veranstaltung mit paddeluun handeln k�nnte.
Da wieder neue G�ste da waren, stellten sich die insgesamt 16
Teilnehmer, der alten Tradition der Lugrav folgend, jeweils kurz vor.
2)Dann begann Frank Matthie� mit dem thematischen Schwerpunkt des
Abends, der Vorstellung des Breitband-DSL-Routers Linksys WRT54G.
Dieses handliche Ger�t gibt es in 2 Varianten, einer G und einer
GS-Ausf�hrung , die sich in ihrer Reichweite unterscheiden. Der
Linksys kommt mit einer Hardwareausstattung aus einem mit 200 MHz
getakteten MIPS-Prozessor, einem 32 MB RAM , einem 8 MB Flash
sowie einem 5-Port-Switch. Ferner besitzt das Ger�t einen
WLAN-Adapter und 2 serielle Ports.
Was die Arbeit mit dieser Hardware so erleichtert, ist ihre gute
Dokumentation. Diese bezieht sich zum Einen auf den zentralen
Broadcom-BCM-4712-System-on-a-Chip, zum Anderen auf den
Infineon-ADM-699L-Netzwerkswitch. Das Ger�t ist in der G-Version
einschlie�lich Versand schon ab ca. 66 Euro zu haben, in der
GS-Version ab ca. 90 Euro. Zentral auf dem Board des Routers befindet
sich der BCM-4712 mit Verbindung zum Flashmemory und zu einem
Ethernetswitch ADM699L von Infineon mit einem Internet- und 4
weiteren Ports , ferner befindet sich auf der Platine ein
USB-1.1-Host-Device. Die Software zu diesen Bauteilen wurde vom
Hersteller Linksys zun�chst nicht unter GPL gestellt, Router- und
Firmwareupdates wurden zun�chst als Bin�rdateien ver�ffentlicht.
Sp�ter gab der Hersteller dann einen ( in praxi anfangs wenig
brauchbaren ) Sourcetree heraus und ver�ffentlichte schlie�lich die
kompletten Sources als tgz. file. Damit war nat�rlich der Weg frei
f�r Weiterentwicklungen, neben dem Linksys-Source wurde von einem
Freifunker in Berlin OpenWRT entwickelt, als weiteres Projekt
entstand Sveasoft, deren aktuelle Software derzeit f�r 20 Euro pro
Jahr ( nur fraglich GPL-konform ) zu haben ist. Letzteres Projekt hat
einen PPTP-Client entwickelt, Einzelheiten kann man sich im Netz
unter der URL www.sveasoft.com ansehen.
Auch die insbesondere auch Freifunker zielenden Entwicklungen unter
OpenWRT sind im Netz repr�sentiert, man findet sie unter
www.openwrt.org.
Die Software f�r das Linksysger�t bietet nun einiges f�r den Linuxfan
Vertrautes: der Linuxkernel wird �bernommen, die Software ist
paketbasiert organisiert, Programme k�nnen im System selbst
nachger�stet werden. Dabei findet man im Flashmemory beschreibbare
Partitionen vor. Der Netzwerkadministrator findet ihm sonst aus der
Linuxwelt vertraute Tools vor, die es ihm beispielsweise gestatten,
sich, aber auch r�umlich in der N�he liegenden Nachbarn einen
Internetzugang zu verschaffen und zu sichern. So gibt es OpenSSH, ein
Tool wie screen ist ebenfalls vorhanden, es ist m�glich, f�r
Abrechnungszwecke etwa "traffic control" ( tc ) einzusetzen. Auch das
Tool tcpdump sucht man nicht vergebens. Bei der Softwareinstallation
dient eine Datei /etc/ipkg.cfg als zentrale Konfigurationsdatei,
Pakete k�nnen, durchaus vertraut, mit ipkg <Paketname> eingespielt
werden. Die Firmware enth�lt auch eine Weboberfl�che .
Vorstellbar w�re, aufgrund der Hardwareausstattung allerdings nur in
begrenztem Funktionsumfang, eine Gatewayfunktion f�r
Telefongespr�che. Thomas Niesel wies darauf hin , dass man sich auch
Asterisk auf dem WRT54G vorstellen k�nne. Das Ger�t unterst�tzt auch
Firewallfunktionen, so dass man etwa ein eigenes privates Netz �ber
ein Tool wie iptables absichern k�nnte.
Wer basteln kann und mag, kann auch selbst Hardwareerweiterungen
vornehmen, so lassen sich etwa, beschrieben unter
www.rwhitby.net/wrt54gs , auch neue serielle Ports schaffen. Der
erste , firmenseitig verwendete serielle Port kann nur als
Systemkonsole verwendet werden, der 2., an diesem Ger�t zur Verf�gung
stehende Port k�nnte etwa f�r Verwendungen wie Sensorik, Modem,
Steuerungen und dergleichen verwendet werden.
Der Einsatz des Linksys als Firewall bietet u. U. deshalb Vorteile,
da das Ger�t auf einer Prozessorbasis agiert, auf die viele
Netzangriffe nicht eingestellt sind ( MIPS-Basis ) .
Software kann auf den Linksys mittels tftp �berspielt werden, genaue
Beschreibungen hierzu finden sich bei wrt.org.
Die Sendeleistung des Linksys ist, bedingt durch die geltenden
gesetzlichen Bestimmungen, auf 100 mW beschr�nkt. Es handelt sich um
Mikrowellen, damit ist auch definiert, dass f�r Funkverbindungen
Sichtkontakt entscheidend ist und auch Dinge wie N�sse eine Rolle
spielen k�nnen. Letzlich h�nge die zum Einsatz kommende
Sendeleistung, so Frank, von den Einstellungen der Firmware ab.
Auf in etwa �hnliche Produkte am Markt mit etwas weitergehenden
M�glichkeiten im Bereich Telefonie und ISDN verwies Thomas, als er
die Fritz-Box als ein Ger�t ins Gespr�ch brachte, das wohl auch auf
einer Broadcombasis laufe.
Bei Linksys gab es zu Anfang Sicherheitsprobleme, hier hat es im
Verlaufe der Zeit deutliche Nachbesserungen gegeben. Die Begrenzung
der Prozessorleistung stellt einen unausweichlichen Flaschenhals etwa
bei der M�glichkeit dar, Datenstr�me zu verschl�sseln. Neue
Netzteilnehmer k�nnen �ber 802.1x als neue Sicherheitstechnik �ber
einen Radiusserver authentifiziert werden.
Frank wies darauf hin, dass die Linksys-Ger�te eine nur geringe
Leistungsaufnahme von 12 W haben und bei uns oft in b�ro�hnlichen
Umgebungen zum Einsatz kommen. Gleichwohl gibt es durchaus
Einsatzbereiche, in denen etwa DSL-Router auch im Freien zum Einsatz
kommen. So habe man etwa in D�nemark in einem d�nn besiedelten Gebiet
ohne ausreichende Festnetzanbindung Router auf Masten montiert und so
ein durchaus gut funktionierendes Netz und eine Anbindung f�r die
dort lebenden Menschen geschaffen. Dabei habe es sich herausgestellt,
dass die Ger�te vor allem k�lte- und nicht so sehr hitzeempfindlich
seien.
Wer Ger�te wie Linksys im "Funkverbund" mit Nachbarn einsetzt, macht
u. U. die Feststellung, dass die eigentlich maximal erreichbare
Datenabgaberate von etwas �ber 50 MBit/s dann nicht erreicht werden,
wenn in der Nachbarschaft nur niedrigere Bandbreiten unterst�tzt
werden; dann m�sse man mit Herunterregulierung der
Datendurchflussrate an den Schnittstellen des Linksys rechnen.
Ganz herzlichen Dank an Frank f�r diesen interessanten Vortrag �ber
ein doch preisg�nstiges, aber hoch leistungsf�higes Netzger�t!
2)Als besonderes Schmankerl wurde, verfasst von wohl vorwiegend
tschechischen Autoren, eine ASCII-Animationssequenz mit Filmcharakter
gezeigt, die in, wie ich finde, verbl�ffender und faszinierender Form
deutlich macht, wie man mit einem durchaus begrenzten Zeicheninventar
filmisch wirkende Eindr�cke erzielen kann ( von Frank unter Knoppix
mit bb aufgerufen ... ) .
3)Volker Eckert hatte einen Film , konkret einen RTL-Bericht zur
Linuxworld in Frankfurt mitgebracht, in dem �ber die st�ndige weitere
Verbreitung von Linux berichtet wurde. Konkret wurde angesprochen,
dass etwa die Stadt Dortmund ein virtuelles Rathaus unter Linux
realisiert hat und so "e-government" praktiziert. Auch k�nnen dort
Schulen auf zentrale Server zugreifen, die ihnen ein Arbeiten
erm�glichen, als st�nden die Rechner im Schulgeb�ude. Berichtet wurde
auch dar�ber, dass die Deutsche Bahn ihr Mailsystem auf Linux
umstelle.
Von Besuchern der LUG Rheda-Wiedenbr�ck, so berichtete Frank weiter,
sei auch nach zertifizierten Linuxsystemen gefragt worden.
Hintergrund sei, dass es sich dabei um Mitarbeiter der Bahn handele,
die sich f�r Alternativen zu den derzeitigen Bremskontrollsystemen
etwa der ICE unter einem anderen Betriebssystem interessierten. Aus
dem eigenen Verwandtenkreis konnte J�rgen Leibner �ber den
Transrapidexport nach China berichten, dass alle dort gewisserma�en
in der Landschaft zur Unterst�tzung des Transportsystems
installierten Rechner unter UNIX liefen. So seien Servernetze im
Lande installierten, die Z�ge w�rden umfangreiche, viele GB
umfassende Logfiles produzieren, die eine z. T. metergenaue
Lokalisierung von Betriebsunregelm��igkeiten gestatteten. Die
fahrende Software in den Z�gen selbst basiere aber letztendlich noch
auf Windows oder auch Siemenseigenentwicklungen.
An dieses konkrete Beispiel sich anschlie�end entspann sich eine
Diskussion �ber die Echtzeitf�higkeiten eines Betriebssystems. Frank
wies darauf hin, dass der Linuxkernel selbst derzeit nicht
echtzeitf�hig sei. Diese M�glichkeiten solle es aber unter bestimmten
Voraussetzungen unter Windows geben. Diskutiert wurde dar�ber, ob die
exklusive Inanspruchnahme von Prozessor-Timeslices durch einen
Prozess schon hinreiche, um Echtzeitf�higkeit zu definieren.
Letzendlich, so Frank , komme es darauf an, in bestimmten
Zeitvorgaben reagieren zu k�nnen. Dies sei auch im Heimbereich
manchmal durchaus w�nschenswert, etwa bei Musikanwendungen, wie
Gerhard Genuit unterstrich.
4)Gegen Ende des Abends wurde noch kurz die Fragerunde er�ffnet.
Peter Voigt hatte ein Sendmail-Problem unter OpenBSD gepostet, aber
selbst in den BSD-Listen wohl keine befriedigende Antwort gefunden,
so dass das Problem auch w�hrend des Treffens nicht mehr en detail
besprochen wurde.
Nach Installation seines neuen Sarge beobachtet Gerhard ein
anhaltendes Pfeifen seiner Soundkarte , die er ansonsten durchaus
einsetzen kann, beim Booten. Er verwendet den Kernel 2.6.x und hat
alsaconf installiert. Antwort aus der Runde war, dass es eigentlich
in den init-scripts ein kleines ALSA-Script geben m�sse, dass die
Soundkarte w�hrend des Bootprozesses leise oder stumm schalte. Es
solle aber im Prinzip Probleme beim Via-chipsatz und bei
Soundblaster-Karten geben.
Thomas fragte f�r einen Bekannten, der bei T-Online als Provider sei,
warum als Mail verschickte HTML-Formulare zerst�ckelt und
unvollst�ndig verschickt w�rden. Die Inanspruchnahme von CGI-Skripten
bei T-Online sei kostenpflichtig. Die Frage wurde in gro�er Runde
nicht ausdiskutiert, aber eine m�gliche Ursache des Problems k�nnte
darin stecken, dass der Submit-Button des HTML-Formulars lediglich
mit einer Mailto-Action verkn�pft ist.
Im Zusammenhang mit der Diskussion �ber die F�higkeiten des Kernels
berichtete Frank dar�ber, dass ein GNU-Hurd-Entwickler namens
Brinkmann Anteile des L4-Kernels in den Machkernel �bernommen habe
mit dem Ergebnis einer erheblichen Geschwindigkeitssteigerung.
Zum Schluss noch 3 URL's, bei denen man noch Weiteres zum Hauptthema
des Abends nachlesen kann:
Broadcom BCM4712-on-a-Chip:
www.franken.de/de/veranstaltungen/kongress/2004/04-3-4-linksys-wrt54g.pdf
Netzwerkswitch von Infineon:
www.broadcom.com/collateral/94712-PB02-R.pdf
sowie unter
www.broadcom.com/products.php?product_idBCM47-12
Das Thema an diesem Abend war schon speziell, dennoch hoffe ich, dass
im Protokolltext wenigstens die Quintessenz einigerma�en
her�bergekommen ist. Ich bitte um Korrektur bzw. Kommentar zu
etwaigen Fehlern und Unkorrektheiten, so k�nnen wir gemeinsam lernen.
Soweit f�r heute, viele Gr��e, bis bald!
Ulrich Rieke